Nachwuchsforschungsgruppe der Hans-Böckler-Stiftung

Vom 26. bis 27. März 2020 kommt an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster das Netzwerk "Kriminologie in NRW" zu seiner 2. Tagung zusammen. Claudia Tutino, Max Laube und Hendrik Puls von der NFG020 werden dort ihre Forschungsergebnisse zum Wandel der Altersstruktur von Tatverdächtigen und Opfern rechtsmotivierter Gewaltdelinquenz vorstellen. Prof. Dr. Tobias Singelnstein hält den Auftaktvortrag zum Thema "Preventive Turn" in der Sicherheitspolitik. Das komplette Programm der Tagung ist hier einsehbar. Anmeldungen zur Tagung nimmt das Organisationsteam des Instituts für Kriminalwissenschaften entgegen. Weitere Informationen zur Tagung hier.
Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Tagung im März ausgefallen und wird am 12. Juni als Online-Veranstaltung nachgeholt.

 

Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019, bei dem der Täter seine Taten mit einem Smartphone filmte und live ins Internet streamte, ist plötzlich die Rede von der Gamification bzw. Gamifizierung des Terrors. Doch ist dieser Begriff tatsächlich geeignet, um die besonderen Charakteristika des Anschlags zu beschreiben? Oder handelt es sich um ein modisches Schlagwort, das mehr verschleiert als erklärt? Hendrik Puls argumentiert im dritten "Working Paper" der NFG020, dass der Begriff gemieden werden sollte, da sich die Bedeutungszusammenhänge des aus anderen Kontexten entlehnten Begriffes Gamification nicht auf rechtsmotivierte Gewalttaten übertragen lassen. Am Beispiel des Anschlags von Halle zeigen sich vielmehr veränderte Inszenierungsformen von Gewalt sowie bislang noch eher wenig beachtete „radikale Milieus“, die sich vor allem mittels des Internets konstituieren.

Hier das "NFG020 Working Paper #3" downloaden.

Wie viele Menschen seit 1990 in Deutschland durch rechtsmotivierte Gewalt zu Tode gekommen sind, ist umstritten. Journalist*innen und zivilgesellschaftliche Akteure weisen seit Jahren mehr Todesopfer aus, als in der behördlichen Statistik geführt werden. In Brandenburg und Berlin haben unabhängige Forscher*innenteams diese umstrittenen Fälle untersucht. In Folge dessen sind einige Tote nun auch staatlicherseits als Opfer rechtsmotivierter Gewalt anerkannt worden. Für Nordrhein-Westfalen steht eine solche wissenschaftliche Untersuchung noch aus.
Der Beitrag unseres ersten "NFG020 Working Papers" zeigt auf, dass auch in dem westlichen Bundesland eine Diskrepanz zwischen den staatlichen und zivilgesellschaftlichen Erhebungen besteht. Anhand des als nicht politisch motiviert geltenden Dreifachmords von Overath aus dem Jahr 2004 werden exemplarisch Indizien für ein rechtsextremes Tatmotiv zusammen getragen.
 
 

Anhand von polizeilichen Hellfeld-Daten haben wir untersucht, inwieweit sich die Altersstruktur von Tatverdächtigen und Opfern rechtsmotivierter Gewalt seit 2007 in Nordrhein-Westfalen gewandelt hat. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Entwicklung der vergangenen Jahre, die durch einen Anstieg der registrierten rechtsmotivierten Gewaltdelinquenz geprägt waren. Die Ergebnisse zeigen, dass die übliche Verknüpfung von rechtsmotivierter Gewalt mit Jugenddelinquenz zu hinterfragen ist.

Der Artikel erschien zuerst in: Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe (ZJJ) 2019 (3), S. 196-204.

Hier das "NFG020 Working Paper #2" downloaden.

Hendrik Puls referiert in den kommenden Monaten zum Thema Rechtsterrorismus:

"Rechtsterrorismus in Deutschland. Zwischen NSU und Lübcke-Mord" ist der Titel eines Vortrags beim "Netz gegen Rassismus" des DGB am 19. Oktober 2019 in Hannover.

Zusammen mit Dr. Barbara Manthe referiert er zur "Geschichte und Aktualität des Rechtsterrorismus" am 30. Oktober 2019 in der Alten Feuerwache in Köln.

Auf Einladung der Bundesarbeitsgemeinschaft Ausstieg und Einstieg spricht er am 9, Dezember 2019 in Recklinghausen zum Thema: "Wieder nur ein Einzeltäter? Dimensionen des Rechtsterrorismus in Deutschland". 

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