Nachwuchsforschungsgruppe der Hans-Böckler-Stiftung

Der Arbeitsbereich Didaktik der Geschichte der FU Berlin und die Berliner Landeszentrale für politische Bildung organisieren eine Tagung mit dem Titel "Geschichte gegen Rechts - Gefahrenfelder und Handlungsräume". Neben Analysen des Rechtsextremismus, Alltagsrassismus und institutionellen Rassismus sollen auch Handlungsoptionen gegen diese Phänomene diskutiert werden. Ausgangspunkt ist dabei die Frage, welche Verantwortung Agent*innen historischen Lernens, sei es in der Geschichtsdidaktik als wissenschaftliche Disziplin oder als Praktiker:innen (Geschichtslehrkräfte, Gedenkstättenmitarbeitende, …), in diesem Kontext tragen. Hendrik Puls von der NFG020 beteiligt sich an dieser Tagung mit einem Beitrag zum Thema "Kontinuität rechtsmotivierter Gewalt in Deutschland".

Hendrik Puls hat in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "CILIP - Bürgerrechte & Polizei" einen Artikel zum Verbot der neonazistischen Gruppe "Combat 18 Deutschland" (C18) durch das Bundesinnenministerium im Januar 2020 veröffentlicht. Vorausgegangen war dem Verbot eine verstärkte öffentliche Debatte über die von C18 ausgehenden potentiellen Gefahren nach der Ermordung des CDU-Politiker Walter Lübcke 2019. In der Neonazi-Szene war "Combat 18" für die Propagierung rechtsterroristischer Strategien bekannt. Im Artikel wird nachgezeichnet, dass die Existenz der Gruppe seitens der zuständigen Behörden über 20 Jahre lang stets verneint wurde, obwohl immer wieder Hinweise auf C18-Strukturen in Deutschland und eine Vernetzung deutscher Neonazis mit ausländischen C18-Gruppen eingingen. Im Artikel wird nicht nur der späte Zeitpunkt des Verbots kritisiert, sondern ebenso die Begrenzung der Verbotsmaßnahmen auf lediglich einen Teil des Netzwerks.

Die Ausgabe 124 von "CILIP - Bürgerrechte & Polizei" kann hier bestellt werden.

Zahlreiche Morde, Sprengstoffanschläge und Überfälle von Rechtsterrorist*innen in der Bundesrepublik prägten das Jahr 1980. Es war das Jahr, als der Terror von rechts einen ersten Höhepunkt erreichte. Beim Anschlag auf das Münchner Oktoberfest am 26. September 1980 wurden 13 Menschen getötet und Hunderte verletzt. In der öffentlichen Wahrnehmung nehmen dieser Anschlag wie auch weitere rechtsterroristische Taten in der „alten Bundesrepublik“ nur einen geringen Stellenwert ein. Wieso wissen wir – 40 Jahre später - noch immer so wenig über die Geschichte des Rechtsterrorismus in Deutschland? Am 29. Oktober 2020 nähert sich die Fachtagung „1980 – 2020: Die vergessene Geschichte des Rechtsterrorismus" diesem bislang weitgehend übersehenen Kapitel der bundesdeutschen Geschichte.

Das Programm der Fachtagung kann hier eingesehen werden.

Die Veranstaltung wird vom NS-DOK der Stadt Köln, der Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus und Neonazismus (FORENA) der Hochschule Düsseldorf sowie unserer Nachwuchsforschungsgruppe 020 der Hans-Böckler-Stiftung organisiert. Die Tagung wird als Hybrid-Veranstaltung (online und Präsenz) durchgeführt. Die wenigen Präsenzplätze sind leider schon vergeben. Aufgrund der Hygienevorgaben können Gäste nur noch digital über das Videokonferenztool „BigBlueButton“ an der Tagung teilnehmen. Zur Teilnahme ist es zwingend erforderlich, dass Sie sich mit ihrem Namen, ggfls. ihrer Institution (z.B. Hochschule ABC, Initiative XYZ), Ihrer Emailadresse sowie einem Stichwort zum Interesse am Thema der Veranstaltung verbindlich anmelden. Schreiben Sie dazu eine Email an "ibs [ätt] stadt-koeln.de". Sie erhalten dann eine Anmeldebestätigung und wenige Tage vor der Tagung den Einladungslink zur Videokonferenz zugesandt.

Am 29. Oktober fand die von der NFG020 mit-organisierte Tagung "1980-2020: Die vergessene Geschichte des Rechtsterrorismus" statt. Ursprünglich als Hybrid-Veranstaltung geplant, musste sie aufgrund der aktuellen Pandemie-Entwicklung ohne Präsenzgäste und als reine Online-Veranstaltung stattfinden. 120 Personen aus Wissenschaft, Rechtsextremismusprävention und Journalismus nahmen teil. Nach den beiden Eröffnungsvorträgen von Klaus Weinhauer und Barbara Manthe (beide Universität Bielefeld) folgten drei Panel. Im Panel 1 zu "Gewaltakteur*innen und Strategien" referierte NFG020-Mitglied Hendrik Puls über den rassistischen Anschlag des Helmut Oxner 1982 in Nürnberg. Der Vortrag von Isabella Greif im Panel 3 über die Reaktionen der Bundesanwaltschaft auf den Rechtsterrorismus in den 1980er Jahren musste krankeitsbedingt leider entfallen. Die Tagung endete mit einer Diskussion zwischen Carola Dietze (Universität Jena), Fabian Virchow (Hochschule Düsseldorf) und Tor Einar Fagerland (Norwegian University of Sciene and Technology) über die Schwierigkeiten des Erinnerns an die Opfer rechtsterroristischer Gewalttaten.

Der "Deutschlandfunk" berichtete in der Sendung "Kultur heute" über die Tagung. Der Beitrag kann hier angehört werden.

Die Arbeit der Nachwuchsforschungsgruppe ist Thema eines Berichts in der Zeitschrift "Mitbestimmung" (Ausgabe 02/2020) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Stipendiaten der Stiftung geben einen Einblick in ihre ersten Forschungsergebnisse. So weist Max Laube darauf hin, dass sich das Bild des rechtsmotivierten Gewalttäters, wie es in den 1990er Jahren gezeichnet wurde, nicht mehr aufrecht erhalten lasse. Bei den Täter handele es sich nicht mehr mehrheitlich um Jugendliche und Heranwachsende oder die "klassischen Nazi-Skins". Häufig seien es Männer Mitte 40, so Max Laube, „die vielleicht eine Geschichte als gewaltbereite Neonazis in ihrer Jugend hatten, aber dann nicht mehr aktiv in der Szene waren und häufig nicht mehr auffällig geworden sind. Die haben sich offensichtlich im Zuge der Jahre 2015 und 2016 radikalisiert und Gewalttaten begangen.“

Hier können Sie den kompletten Bericht der Zeitschrift "Mitbestimmung" lesen.

Logo Ruhr-Universität Bochum
Logo Hans-Böckler-Stiftung